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INCI-Listen auf Kosmetik richtig lesen

Auf Kosmetikverpackungen steht die Zutatenliste unter „Ingredients“. Die Zutatenliste verwendet dafür INCI-Namen, also international einheitliche Bezeichnungen für Kosmetikzutaten. An den ersten Zutaten kannst du grob erkennen, wie viel von ihnen im Produkt steckt.

Prozentangaben fehlen. Zutaten mit einem Anteil unter einem Prozent dürfen in beliebiger Reihenfolge aufgeführt werden. Deshalb lässt sich aus der Position eines einzelnen Stoffes nicht zuverlässig auf seine Menge im Produkt schließen.

Reihenfolge der INCI-Zutaten

Grundsätzlich stehen die Zutaten nach ihrem Gewicht bei der Herstellung sortiert auf der Liste, von der größten zur kleinsten Menge. Zutaten, die mehr als ein Prozent des Produkts ausmachen, müssen also vor Zutaten mit einem geringeren Anteil stehen. Unterhalb dieser Grenze darf der Hersteller die Zutaten in beliebiger Reihenfolge aufführen.

Die ersten Zutaten sagen deshalb mehr über die Mengen aus als die letzten. Stehen beispielsweise Wasser und Glycerin weit vorn, ist von diesen Zutaten mehr im Produkt enthalten. Bei zwei Stoffen am Listenende kannst du dagegen nicht sicher sagen, welcher davon in größerer Menge enthalten ist.

Auch eine hervorgehobene Zutat auf der Vorderseite, etwa Aloe vera, sagt nichts über ihre Konzentration aus. Schau dafür in die Zutatenliste. Steht der Pflanzenstoff weit hinten, deutet das auf einen eher kleinen Anteil hin. Wie viel genau enthalten ist, lässt sich daraus nicht ablesen. Farbstoffe können bei dekorativer Kosmetik am Ende der Liste in beliebiger Reihenfolge stehen.

Lateinische Pflanzennamen erkennen

Viele Pflanzennamen in INCI-Listen sehen lateinisch aus. Häufig folgen auf den botanischen Namen der Pflanze ein Hinweis auf den verwendeten Pflanzenteil und die Form der Zutat. Chamomilla Recutita Flower Extract bezeichnet zum Beispiel Kamillenblütenextrakt. Bei Lavandula Angustifolia Oil handelt es sich um Lavendelöl.

Wörter wie Flower für Blüte, Leaf für Blatt, Seed für Samen, Extract für Extrakt und Oil für Öl helfen beim Einordnen. Diese Wörter helfen dir beim Lesen, übersetzen den Namen aber nicht vollständig. Pflanzlich abgeleitete oder weiterverarbeitete Stoffe folgen nicht immer diesem einfachen Schema.

Ein lateinischer Name belegt weder, dass ein Stoff in großer Menge enthalten ist, noch dass er für jede Person verträglich ist. Pflanzliche Extrakte und natürliche Duftstoffe können allergische Reaktionen auslösen.

Duftstoffe in der INCI-Liste

Eine Duftmischung steht häufig gesammelt als Parfum oder Aroma in der Zutatenliste. An diesem Sammelbegriff erkennst du nicht, aus welchen einzelnen Stoffen die Mischung besteht. Bestimmte Duftstoffallergene müssen zusätzlich mit ihrem eigenen Namen aufgeführt werden, wenn sie die geltenden Schwellenwerte überschreiten.

Je nach Produktart gelten unterschiedliche Mengen-Grenzen, ab denen diese Duftstoffe genannt werden müssen: bei Produkten, die auf der Haut verbleiben, und bei abspülbaren Produkten. Die einzelnen Namen helfen vor allem Menschen, die bereits empfindlich auf einen bestimmten Duftstoff reagieren. Ein aufgeführter Duftstoff ist für sich genommen kein Beleg dafür, dass ein Produkt unsicher ist.

Die EU hat die Kennzeichnung um 56 weitere Duftstoffallergene erweitert. Seit dem 31. Juli 2026 dürfen Produkte, die den neuen Vorgaben nicht entsprechen, nicht mehr neu auf den EU-Markt gebracht werden. Ware, die vorher bereits auf den Markt kam, darf unter den festgelegten Bedingungen noch bis zum 31. Juli 2028 angeboten werden. Im November 2026 kannst du deshalb sowohl ältere als auch aktualisierte Zutatenlisten antreffen.

Farbstoffe und Nanomaterialien erkennen

Bei Make-up und anderen gefärbten Produkten stehen Farbstoffe oft mit einer „CI“-Nummer in der Liste. CI steht für „Colour Index“, ein Verzeichnis zur Kennzeichnung von Farbstoffen mit Nummern. Wenn eine Produktreihe mehrere Farbtöne umfasst, darf die Verpackung die verwendeten Farbstoffe gemeinsam aufführen. Zusätze wie „may contain“ oder das Zeichen „+/−“ bedeuten dann, dass nicht jeder genannte Farbstoff in deinem konkreten Farbton enthalten ist.

Enthält ein Produkt einen Stoff in Form eines Nanomaterials, muss hinter dessen Namen der Zusatz „(nano)“ stehen. Diese Kennzeichnung beschreibt die Form des Stoffes; sie bewertet nicht automatisch die Sicherheit des Produkts.

Was die Liste nicht verrät

Die INCI-Liste zeigt nicht die vollständige Rezeptur. Sie nennt keine genauen Prozentwerte und erklärt auch nicht immer direkt, was ein Stoff im Produkt bewirkt. Aus der Reihenfolge lässt sich deshalb weder die Wirksamkeit eines beworbenen Inhaltsstoffs noch die Wirkung des fertigen Produkts sicher ableiten.

Wenn du einen Namen nachschlägst, achte darauf, wofür das Nachschlagewerk gedacht ist. Die Datenbank CosIng der Europäischen Kommission enthält Informationen zu Kosmetikzutaten und Verweise auf rechtliche Vorgaben. Ein Eintrag dort ist jedoch keine behördliche Zulassung und beweist für sich allein nicht, dass ein Stoff für jede Verwendung erlaubt ist.

INCI-Liste beim Einkauf nutzen

Wenn du bestimmte Inhaltsstoffe vermeiden möchtest, suche in der vollständigen Zutatenliste nach ihren INCI-Namen. Für pflanzliche Stoffe helfen der Pflanzenname und Wörter wie Oil oder Extract bei der Suche. Bei Duftstoffen achte auf einzeln aufgeführte Namen, wenn du einen bestimmten Stoff bereits kennst und vermeiden möchtest.

Schau auf die ersten Zutaten, wenn du die Mengen grob vergleichen möchtest. Die Position am Listenende liefert dagegen keine verlässliche Rangfolge, sobald die Stoffe unter einem Prozent liegen. Vergleiche außerdem nur passende Produktarten: Ein abspülbares Produkt und eine Creme, die auf der Haut bleibt, haben bei der Kennzeichnung von Duftstoffallergenen unterschiedliche Schwellenwerte.

Weiter neugierig bleiben.

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